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2011
Soldatenduett

Soldatenduett

Kurzstück

Das Männerduett im Kontext des Gesamtstücks
Parcival XX-XI


Das Duett erzählt eine unserer zentralen Aussagen Parcivals. Es kritisiert das Verfolgen falscher Grale und das Festhalten verpasster Momente, was wiederum dazu führt, dass man seinen Menschenverstand nicht mehr einsetzt, sich selbst misstraut.

Der zweite Akt zeigt Gesellschaftsutopien des 20. Jahrhunderts auf und entlarvt sie nach und nach alle als falsche Grale. Dieser Akt ist hauptsächlich davon gezeichnet, dass sich die Tänzer Systemen unterwerfen, in denen sie funktionieren. Es wird nicht nach ihrem Empfinden oder ihrer eigen Stellungnahme gefragt. Das Soldatenduett bildet hier die große Ausnahme.

Es steht zwischen einer Kriegsszene aus der Diktatur und dem Kommunismus als neue Gesellschaftsutopie. Das Leid und der Schmerz hat die Kriegsveteranen tief zu sich selbst, zu ihren Emotionen, Wünschen, Sehnsüchten gebracht. Sie unterwerfen sich nicht mehr der Norm, wie man starke Männer des Landes sehen möchte. Gesellschaftsstrukturen werden komplett ausgeblendet. Der Fokus liegt auf den emotionalen Folgen und ihrer Entwicklung nach dem Kriegserlebnis. Mit der Zeit überwinden sie ihr Gebrochen-sein und finden ihre Kraft wieder. Anstatt aber die Erfahrung zu integrieren und für zukünftige Situationen mit einzubeziehen, fallen sie in das alte Rollenschema zurück und schlittern damit naiv in das neue Konstrukt, das sich später wieder als Distopie erweist.

Es ist als Pendant zu verstehen zu Parcivals innerem Gefühl das richtige zu tun, sich aber durch die auferlegten Gesellschaftsnormen zurückzuhalten, sogar unterzuordnen. Die Erfahrung bringt ihn lediglich dazu, dem verpassten Moment hinterherzueilen, anstatt es auf neue Situationen zu übertragen.

Das Duett arbeitet mit rein tänzerischen Mitteln im Gegensatz zur Gesamtanlage des Stückes, das in enger Verwebung mit dem Bühnenbild - bestehend aus 12 großen Quadern - und interaktiven digitalen Medien in Kommunikation geht. Das Duett resultiert aus einer Szene, in der massenweise Soldaten sterben, das Individuum keine Rolle spielt, die Soldaten nur Platzhalter sind, die eine Funktion erfüllen.

Das Duett bildet durch seine tiefe Emotionalität einen Kontrast hierzu. Das Zulassen der eigener Bedürftigkeit, das Erzählen von Sehnsüchten und das Verarbeiten des Erlebten changiert mit den typischen Männerbildern von Kraft und Unbeirrbarkeit. An der Schnittstelle von Sinnlichkeit und Akrobatik wird ein ungewöhnliches Männerbild geschaffen, das mit konträren Facetten spielt und sie vereint.

Tänzer: Arun Michael Trefz und Christian Dittmann

Video: Männerduett aus Parcival XX-XI



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